Handylos in Indien

In meinem ersten Vollzeit Berufsjahr im Büro habe ich meinen gesamten Jahresurlaub aufgespart, um 6 Wochen in Indien eine Yoga-Lehrer-Ausbildung und Handy-Auszeit zu machen. Zugegeben, die Handy-Auszeit war zwar geplant, aber nicht direkt mit dem Verlust meines Handys in der ersten Woche verbunden. 

 

Indien war ehrlich gesagt nie ein Land, das ich unbedingt bereisen wollte. Es hat mich einfach nicht gereizt. Da die Wurzeln des Yoga jedoch aus Indien kommen, schien es mir das authentischste und lehrreichste Land für eine Ausbildung und dazu war es in Goa am Strand noch schön warm (30° C) im Dezember. Damit habe ich voll ins Schwarze getroffen. 

 

Auf dem Programm von Drishti Yoga International im Lotus Oasis zur angehenden Hatha, Vinyasa und überraschenderweise Ashtanga statt Yin (goddamnit) standen 200 Stunden Theorie und Praxis in vier Wochen mit zwei praktischen Prüfungen (ich durfte zwei Yoga-Stunden unterrichten) und einer schriftlichen Prüfung zum Abschluss. 

Gleich zu Beginn wurden die „Regeln” mitgeteilt:

  1. Du bist genau richtig hier und jetzt.
  2. Es ist was es ist. 
  3. Es wird alles vorüber gehen (manchmal wie ein Nierenstein). 

Unsere Gruppe angehender Yoga-Lehrer war mit 7 Personen recht klein. Wir kamen aus aller Welt und konnten kaum unterschiedlicher sein: Von der Vizepräsidentin einer Universität, Puma Sneaker Designerin zum Thomas Cook Reiseführer, HR-Manager und einem Ingenieur. 

 

Der Tagesablauf war streng durch getaktet und wir hatten Anwesenheitspflicht. Los ging es früh morgens mit Meditation und Atemübungen. Die Unterrichtsstile der täglichen körperlichen Yoga-Einheiten („Asana“ auf alt-indisch) waren abwechslungsreich mit Ashtanga, Hatha, Vinyasa, Kundalini und Yin von anstrengend bis entspannter. Dennoch habe ich die drei bis vier Stunden täglich schnell am ganzen Körper gemerkt. Samstagnachmittag und Sonntag waren frei. Die Zeit nutze ich  zur Erholung, für einen gemeinsamen Ausflug zur Gewürzplantage oder zum Lernen und Vorbereiten.

 

Besonders spannend waren für mich die Philosophie- und Anatomie Stunden bei einem italienischen Ex-HR-Manager und sehr passioniertem Yoga-Lehrer. Er brachte uns die Philosophie, wesentlichen Konzepte wie den 8-fachen yogischen Pfad und relevanten anatomischen Systeme bei. Herausfordernd war auch Sanskrit, also alt-indisch und die Yoga-Geheimsprache, zu lernen. 

 

Uns wurde vermittelt, wie man durch Yoga
physische wie psychische Schmerzen vorbeugen,
verhindern und überwinden und somit letztlich ein
glückliches, ausgeglichenes Leben führen kann. 

 

Die Handy-Auszeit fiel mir erstaunlich leicht und war vielmehr ein willkommener Befreiungsschlag. Sicherlich hatte ich auch keine Zeit für Langeweile, da ich konstant mit neuen, spannenden Informationen gefüttert wurde. Zudem hatte ich die meiste Zeit in Indien ein vorgegebenes Programm und musste mich nicht um typische Reiseaufgaben, wie neue Unterkünfte buchen, kümmern. Ab und zu ging es in den guten alten Internetshop, um ein Lebenszeichen nach Deutschland zu schicken. Unterwegs habe ich mich dann mit Block und Stift durchgefragt.  

 

Rückblickend haben mich die sechs Wochen in Indien und insbesondere die vier Wochen im Yoga- Training sehr positiv geprägt und ich hätte meinen Jahresurlaub nicht besser verwenden können. Ich konnte mich sortieren; besser benennen was ich möchte, was nicht und wie ich leben möchte und wie nicht. Nicht nur privat sondern auch beruflich habe ich ein klareres Bild. Indien hat mir geholfen mich daran zu erinnern, wie gut es mir geht. Zudem habe ich viele neue Möglichkeiten, Methoden, Routinen und Tipps für ein achtsameres, gesünderes und somit glücklicheres Leben mitgenommen. 

Entsprechend kann ich diese Auszeit, Jedem nur ans Herz legen. Ob mit Interesse am Unterrichten selbst oder nicht. Danach strahlst du vor positiver Energie, Kreativität und neuer Inspiration. <3

Namaste,
June

Kurz nach Indien, als ich schon wieder zurück im Job war, hat mich Prof. Eichsteller in seinem Weekly Talk interviewed: 

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