Tantra Festival: HOL MICH HIER RAUS

Dieses eine Mal, alleine auf dem Tantra Festival im Love Temple in Arambol in Goa…


Kurz zum Setting:
Ich befinde mich mittlerweile schon seit 5 Wochen in Goa, habe mein Handy bereits in der ersten Woche verloren, meine Yoga-Lehrerausbildung erfolgreich abgeschlossen (whup whup), ein paar Tage zum Erholen und Runterkommen im Dschungel verbracht und bin wieder bereit für die touristisch-indische Zivilisation. Naja fast. 

Auf jeden Fall habe ich mir ein Ticket fürs Tantra Festival gekauft und reise dafür alleine nach Arambol. Direkt in die Hochburg der Goa Touristen, wie man sie sich vorstellt. Es ist eine wilde Mischung aus feierwütigen Russen, Australiern und sonstigen jungen bis alten Drogen-affinen Menschen. Daneben (teilweise mit Überschneidungen) die Spirtuellen auf der Suche nach Gleichgesinnten und neuen übermenschlichen oder bewusstseinserweiternden Erfahrungen. 

Es ist ein spiritueller Riesenspielplatz, ein reines Mekka an Angeboten, wie ich es nie zuvor gesehene habe. Von Women oder Men Circles, offenen Chantings im Sitzkreis, Trommeln und Tanzen am Strand, Yoga in allen seinen Formen und Ausprägungen bis hin zu schamanischen Kakaozeremonien und Ecstatic Dance Parties. Das Angebot ist endlos. Ich habe nur noch ein paar letzte Tage, vor meinem Rückflug nach Deutschland, zurück in den Bürojob. Also setze ich alles aufs Tantra Festival, das zufällig genau in meine freien Tage reinläuft. 

Zufall? I doubt it. 

Als Unterkunft habe ich mir ein einfaches Zimmer in der Nähe des Love Temples (wo das Tantra Festival stattfindet) ausgesucht. Nach dem kurzen Abladen von meinem Gepäck, geht es auch schon direkt los. Die Intro habe ich schon verpasst, aber es war einfach so toll im Tribe im Dschungel und ich wollte mir auch keinen Stress machen. Auf jeden Fall geht es für mich dann gleich mit dem ersten Workshop los “Honoring the body”. 


Ich habe also keinen Plan was passiert und mit den Namen der Workshops ist auch nicht viel anzufangen. Die heißen alle sowas wie “Shiva und Shakti”, “Tantra Energy” oder “Divine Meeting”. Die Lehrer, die von aller Welt kommen, kenne ich natürlich auch nicht. Also auf in den Workshop im Zelt, wo man nur mit Bändchen reinkommt. Die Teilnehmer sind eine bunte Mischung aus Indern, Weißen, Jungen, Alten, Männern, Frauen, Tantra-Neulingen und Tantra-Erfahrenen. Der Rahmen ist klar gesteckt: Save your own energy und sag Nein, wenn du dich nicht wohlfühlst. Wie bei den meisten auch späteren Workshops geht es erst einmal mit Tanzen los. Okay, das kann ich.

Dann geht es weiter mit durch den Raum laufen und allen in die Augen gucken, die mir begegnen. Und zwar wirklich tief und lange in die Augen schauen. Puh, das ist nicht leicht. 

Die nächste Stufe ist dann bei dem tief in die Augen schauen noch dazu zu sagen “ I see a god” oder “I see a goddess in you” und mit einem Namaste zu danken. Okay puh, auch nicht einfach. 

Dazwischen wird immer wieder getanzt und aufgelockert, was mir definitiv hilft, mich locker zu machen. Was ist schon dabei wildfremden Menschen tief in die Augen zu schauen und zu sagen, dass man Gott in Ihnen sieht? 

Als nächstes sollen wir einen Partner finden, oh Gott.
Ich warte natürlich bis mich jemand findet, wie ich es immer tue. Es ist ein kleiner, bärtiger Mann mit starkem russisch/osteuropäischen Dialekt und einer wahnsinnig negativen und anstrengenden Ausstrahlung, der es auf mich abgesehen hat. Fuck.

Ich setze mich ihm also gegenüber und muss ihm tief in die Augen schauen. Alles in mir zieht sich zusammen. Ich will nicht.
Es geht weiter. Wir sollen uns irgendwas sagen. Seine Stimme und wie er redet und was er sagt, alles grauenvoll. Fuck fuck fuck. Keep cool, keep smiling. Ich überlege, wie ich mich jetzt hier aus der Situation am besten rauskriege. Ich danke dir aber nein? Ich muss auf Toilette? 
Dann sollen wir uns umarmen. Oh scheiße.
Ich tue es. 

Arg viel mehr ist nicht passiert. In mir jedoch einiges. Ich bin völlig überfordert mit dem was hier zu sich geht und vor allem zutiefst enttäuscht von mir selbst. Ich habe alles falsch gemacht. “Ihm zuliebe” mitgemacht, obwohl ich ganz klar nicht wollte und mich hätte schützen müssen. Ich gehe sofort nach dem Workshop zurück in mein Zimmer und weine. Ich bin sauer auf mich, aber auch völlig verunsichert was dieses Tantra Festival angeht und was ich da soll. Das Abendessen und “Bollywood Dancing” lasse ich aus. Ich brauche Zeit für mich und kann gerade gar keinen Kontakt zu Menschen gebrauchen. Als es dunkel ist, traue ich mich wieder an das Tantra Festival, wo ein Konzert stattfindet. Ich schaue nur von außen zu, will gar nicht erst in den Kreis zurück. Neben mir steht ein etwa 50-Jähriger weißer Mann, mit schönen braunen Locken, er schielt und trägt eine Brille. Irgendwie kommen wir ins Gespräch, sehr angenehm. Wir finden schnell heraus, dass wir beide Deutsche sind und er erzählt mir, dass er selbst auch Tantra-Lehrer ist und letztes Jahr auch Teil dieses Festivals war. Ich erzähle ihm von meinem ersten Workshop. Er versteht und versucht mich zu beruhigen bzw. zu überzeugen, Tantra und auch dem Festival noch eine Chance zu geben. Wir tauschen den Kontakt aus (ich habe ja kein Handy, also Facebook) und er wird zu meinem persönlichen Mentor über die Tage.

Thank ganesha for Tim. 

…to be continued. 

Kommentrare, Gedanken, Fragen sind willkommen <3

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