Tantra Festival: Menschen

Lies am besten den ersten Teil der Tantra Serie, wenn du es noch nicht getan hast oder bereits alles vergessen hast.

 

Es ist der zweite Tag auf dem Tantra Festival nach meiner ersten Nacht alleine in Arambol. Nach dem maximal überfordernden Einstieg, der Beschwichtigung von Tim (meinem neuen Tantra Mentor) und einer guten Nacht Schlaf bin ich bereit mich nochmal darauf einzulassen. 

Erst einmal lasse ich den ersten Programmpunkt “Acro Yoga” aus, ich bin noch nicht bereit für neuen direkten Körperkontakt, komme aber zum Frühstück und versuche mich langsam unter den Tantra Menschen zu akklimatisieren. 

Ich beobachte also ein bisschen und setze mich irgendwo dazu, es sind einige auch alleine da und alle sind offen für Anschluss. Es wird also Zeit hier mal die Menschen vorzustellen, die da noch so teilgenommen haben. 

Die Tantra Festival Teilnehmer

Wie in der Story davor schon erwähnt ist es eine ganz bunte Mischung aus Indern, Weißen, Jungen, Alten, Männern und Frauen, Tantra-Neulingen und Tantra-Erfahrenen. Einige Charaktere stelle ich mit falschem Namen (als ob ich die überhaupt noch wüsste) vor: 

  • Anastasia war ein junges, sehr liebes Mädchen mit blondem, langen Haar, ich glaube auch russischer oder osteuropäischer Herkunft. Mit ihr hatte ich eine ganz wundervolle Partnerübung mit sanfter Massage gemacht. Sie hat mir danach in der Pause auch noch eine Reiki Massage (Energie Massage, ohne direkte Berührung) gegeben. Ich war sehr dankbar um sie. 
  • Max war ein deutscher, junger, attraktiver Mann mit stylischem Hipster-Schnurrbart und schwarzer Leinenhose aus Berlin. Er hatte auf dem Festival gleich zwei Freundinnen/Partnerinnen. Eine kleine Berlinerin mit Wurzeln in Spanien, mit der er die meiste Zeit abhing, die viel Aufmerksamkeit von ihm wollte/brauchte. Seine andere Freundin, war eine wunderschöne Französin mit langen braunen Locken und einer Wahnsinns Ausstrahlung. Max war meist mit der Berlinerin zusammen, ab und zu jedoch auch mit der Französin. Die beiden Frauen haben sich irgendwie zumindest oberflächlich auch miteinander verstanden und gesprochen. Da die Französin nicht um die Aufmerksamkeit von Max gebuhlt hat, sondern ganz bei sich war, hat sie sich im Laufe des Festivals noch mit einem anderen attraktiven Mann vereint. So schienen von außen betrachtet alle happy in ihrem polygamen Ausleben. 
  • Jennifer gehörte zu den erfahrenen Tantra-Festival-Teilnehmern. Ich glaube sie kam aus den USA oder Australien (don’t remember) und lebte schon eine Weile in Goa. Das war auch nicht ihr erstes Festival dieser Art und sie gibt wohl auch selber Lingam Massagen – dazu später mehr… Ich schätze sie war in ihren 40ern, tättowiert, braun gebrannt, Augenbrauen gezupft, Haare blondiert, Outfits immer recht freizügig und auffällig. Ihre Stimme hatte was vom nächsten Morgen nach einer feierwütigen und verrauchten Nacht und je besser ich sie kennenlernen durfte, desto mehr wusste ich auch, dass sie höchstwahrscheinlich wirklich so eine Nacht hinter sich hatte 😀
    Sie erzählte mir auch, dass sie eine heftige Drogenvergangenheit hatte und sie hier und durch Tantra wieder zu sich gefunden hat.. Außerdem ging sie sehr offen mit ihrer Sexualität um und es dauerte nicht lange, bis sie einen Engländer mit indischen Wurzeln abgecheckt hatte und bei jeder Gelegenheit wild mit ihm rummachte. Haha.
    Von solchen Leuten kommt wohl das Bild, das die Öffentlichkeit von der Tantra Lehre hat… aber auch dazu irgendwann mehr 🙂 
  • Rajesh war ein Inder, alleine auf dem Festival. Es gab einige Inder, die alleine dabei waren, manche davon trugen immer ganz weiße Kleidung und waren sehr höflich, offensichtlich wirklich wegen der Lehre da. Andere waren jedoch auch etwas sketchy und ich bin ihnen aus dem Weg gegangen. Ihre Intentionen an dem Festival schienen eher, eine weiße Frau zu finden. Mit Rajesh hatte ich erst ganz zum Schluss überhaupt Kontakt und auch nicht direkt, sondern in der Gruppe. In der Abschlussübung hat er sehr viel geweint und war immer wieder sehr dankbar, dass er Teil dieser Gruppe sein durfte und hat von seiner Kindheit und Jugend erzählt, in der er viel gemobbt wurde. Poor Rajesh. 
  • Artus und Amilia waren ein englisches, älteres Paar. Sicher schon in Rente und vielleicht nur im Urlaub, vielleicht leben sie auch ganz oder länger in Goa. Leider hatte ich mit ihnen kaum Kontakt und ich bin mir nicht sicher, ob sie nur unter sich bleiben wollten oder ob sie überhaupt auch alles mitgemacht hatten. Ich fand es dennoch schön so Generationenübergreifende Menschen dabei zu haben. Tantra ist für jedes Alter. 

Ich denke das reicht, um ein Bild der Menschen auf diesem Festival zu bekommen. Es gab sehr viel zu sehen, zu lernen und zu erfahren. Kommen wir nun aber auch direkt zu den Lehrern, die genauso vielfältig wie die Teilnehmer waren. 

Die Tantra Festival Lehrer

Hier sieht man die Teacher von diesem Jahr, wovon einige auch letztes Jahr bei mir dabei waren:

  • Dev Sharma (links oben) und Archiana Sofiana (Mitte oben), die Organisatoren des Festivals. Zugegeben nach der Yogalehrerausbildung mit Manav und Samitah (den Besitzern der Yogaschule) war es für jeden schwierig einigermaßen meinen erlernten Ansprüchen gerecht zu werden. Ich fand die beiden also nicht so prickelnd. Ich hab mich nicht wohl behütet gefühlt, bei einem so tiefgehenden Thema wie Tantra eigentlich tragisch, und fand deren Workshops, Ansprachen und sonstiges Verhalten außerhalb des Zeltes eher fragwürdig. 
  • Ludmilla (links unten) hatte ihren Mann und ihr Kind dabei und schien in Russland eine ganz schöne Größe zu sein. Sie sah wie eine dunkelhaarige Kriegerin aus und hat kaum Englisch gesprochen. Das heißt in ihrem Workshop hatte sie eine Dolmetscherin, die ihre Ansagen auf englisch übersetzt. Das hat natürlich schon etwas Magic rausgenommen, wenn man sie selbst nicht verstehen kann. 
  • Die Australierin habe ich beim Abendessen kennengelernt, im Restaurant nebenan, wo man weg vom Festival, ungestört und in Ruhe sein Abendessen genießen konnte. Das Festival war einfach eine reine Reizüberflutung, ich musste mich immer wieder rausziehen und habe immer mindestens einen Programmpunkt ausgelassen. Jedenfalls setzte ich mich zu ihr und es war sehr angenehm. Ähnlich wie Tim, war sie nicht begeistert von dem Ambiente und hat sich selbst auf die Fahne geschrieben, mehr dafür zu sorgen, dass es ein sicheres Umfeld mit einem Auffangbecken gibt für Menschen, wie zum Beispiel mich, die Austausch Bedarf zu den Geschehnissen brauchen. Sie erzählte mir auch, dass sie in Australien eine Permakultur Farm leitet – so spannend!
  • Dann gab es noch eine kleine, rothaarige Hexe (Mitte unten), die sich selber Laxmi nannte (kurz: “Lakshmi ist die hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes, der Gesundheit und der Schönheit,nicht nur Spenderin von Reichtum, sondern auch von geistigem Wohlbefinden, von Harmonie, von Fülle und Überfluss, Beschützerin der Pflanzen.”) Die fand ich schon wieder irgendwie witzig und super. Die war derbe und offensichtliche Osho-Anhängerin. Ich erinnere mich dennoch inhaltlich nicht an ihren Workshop, also wars wohl nicht so überprickelnd. 
  • Leider erinnere ich mich auch nicht an die Namen des jungen Pärchens aus Dänemark. Sie waren offensichtlich sehr verliebt ineinander, vielleicht frisch verknallt, vielleicht Show, vielleicht echt. Sie war wahnsinnig schön (Oben an 2ter Stelle), sah aus wie Mogli, das Dschungelkind mit ihrer natürlichen Ausstrahlung und den Ringellocken. Er war sehr liebevoll, immer kichernd mit ruhiger, sanfter Stimme. Gemeinsam haben sie die Kakao Zeremonie angeleitet und das auch wirklich schön und nett gemacht. 
  • Tim, den ich in der vorigen Story schon kurz vorgestellt hatte, war bewusst nicht Teil dieses Festivals. Ihm gefiel nicht, dass die Organisatoren das ganze Setting nicht so sicher und aufgehoben gestalten, was in der Größe des Festivals auch keine einfache (aber sicher dennoch machbare) Sache ist. Er macht lieber Workshops in kleinen Gruppen mit maximal 10 Menschen, wobei er auf alle Bedürfnisse und Erfahrungslevel eingehen kann. Übrigens auch in Deutschland: https://www.facebook.com/shankar.straub (schreibt ihm mit lieben Grüßen von mir)
  • Mahara (Mitte links) ist und bleibt mir von den teilnehmenden Lehrern am meisten in Erinnerung. Diese Frau war einfach nur der Wahnsinn. Erst jetzt in meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass sie schon 39 ist (WTF – ich hätte sie locker 10 Jahre jünger geschätzt) und ehemalige Miss Schweiz (WOW – das Genre hätte ich ihr auch nicht zugeschrieben). Die Gute hat also einen eigenen Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Mahara_McKay
    Mahara hat eine beeindruckende Erscheinung mit ihren Maori-Wurzeln, langen Haaren und sehr besonderer Kleidung und auffälligem Schmuck hatte sie etwas von einer indigenen Königin, Beschützerin und Kämpferin für ihr Land. Ihr Workshop war wundervoll, sehr schön angeleitet und vor allem in Erinnerung ist mir ihr expressiver spontaner Tanz am letzten Abend. Wild und wunderschön!

    Glücklicherweise hat sie ein öffentliches Instagram-Profil mit reichlich Content: check yourself: https://www.instagram.com/maharamckay/?hl=de

Zwischenfazit: Tantra is for everyone. 

In der nächsten Geschichte dazu will ich den Deckel draufpacken und erzählen, worum es in der Tantra-Lehre wirklich geht. Und ja Sexualität ist ein Teil davon, so wie es eben auch ein Teil unseres Lebens ist, aber nicht alles. Für alle, die’s wirklich wissen wollen und nicht zu den Leuten gehören wollen, die bei dem Wort Tantra direkt in ein beschämtes oder kindliches Kichern übergehen. Stay tuned. 

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